Evangelische Kirchengemeinde Kornelimünster-Zweifall

Unsere Krippenwanderung in Kornelimünster

Bericht von Marianne und Friedel Hogen

Angeregt durch Hinweise im Gottesdienst, unseren Gemeindebrief, die Tageszeitung und die an vielen Orten ausgelegten Flyer beschließen wir, auf unserer traditionellen Silvesterwanderung in diesem Jahr den neuen Spuren des Krippenweges durch Kornelimünster zu folgen. Wir stellen uns auf ein mehrstündiges Unternehmen ein – nach dem Motto <wandern und verweilen> und machen uns mit Wanderschuhen, Rucksack, Proviant und einer gehörigen Portion Neugierde im Gepäck auf den Weg.

Mit dem Krippenflyer in der Hand steuern wir die Ortsmitte unseres Indestädtchens an. Wir lesen auf dem Flyer Denkanstöße wie: „sich auf den Weg machen, um etwas Neues zu entdecken, etwas Neuem zu begegnen und Dinge anders zu betrachten.“ Wir sind gespannt.

Um es vorwegzunehmen – alle fünf Stationen laden durch Impulse und Gebete – in gedruckter Form – zum Innehalten ein. Überall kann das Friedenslicht aus Bethlehem mitgenommen werden. Zudem wird in jeder Kapelle dazu angeregt, über eine spezielle Frage auf dem weiteren Krippenwegeabschnitt nachzudenken und sich miteinander auszutauschen, zum Beispiel: <Wer ist meine Lieblingsfigur in der Weihnachtsgeschichte, und was macht sie für mich aus?> Lässt man sich von diesen Anregungen berühren und greift sie auf, wird deutlich, wie der Betrachter in das Krippengeschehen einbezogen wird und bekommt möglicherweise eine Idee des folgenden Denkanstoßes auf dem Flyer: „An der Krippe sich selbst begegnen“.

„Und GOTT“. Vielleicht auch.


Und nun geht es los. Die meisten Krippen sehen wir heute zum ersten Mal – wie gesagt: mit Neugierde im Gepäck. So viel sei am Anfang verraten: Die ersten drei Orte, die wir besuchen, sind - in der Reihenfolge - die Propsteikirche, die Antoniuskapelle und die Marienkapelle und präsentieren eine eher traditionelle Krippendarstellung im Sinne einer szenischen Darstellung der allgemeinen Weihnachtsgeschichte.

In der Propsteikirche am Korneliusmarkt befindet sich die Krippe vor dem Annaaltar. Die Krippenlandschaft wurde mit Hilfe von Familie Vecqueray, Walter Siemons und Thomas Mispagel aufgebaut und großzügig, großräumig und weitflächig gestaltet: Steine, Moos, Erde und Stroh geben den nach oben führenden Weg zur Behausung von Maria und Josef vor. Ein großes braunes Tuch, gleich einem Zeltdach, gehalten an Holzstangen in einem Wandwurzelgehölz, geben den Blick frei für das Wesentliche. Nichts lenkt vom eigentlichen Geschehen ab. Der Fokus liegt eindeutig bei dem Kind in der Krippe, Maria und Josef, Ochs und Esel und den hinzukommenden Hirten. Es sind die größten Krippenfiguren, die uns auf dem Rundweg begegnen werden.

Wir gehen weiter zur Antoniuskapelle am Ortsausgang von Kornelimünster. Vier „Siemons-Männer“ drei Brüder und ihr Vetter, widmen sich seit sechs Jahren diesem „Krippen-Projekt“ mit viel Herzblut und Freizeiteinsatz an den Adventssamstagen – wie man nachlesen kann. Den Fußraum unter dem Antoniusaltar haben sie in eine orientalisch anmutende Krippenlandschaft im Zusammenspiel mit heimischen Hölzern, Moos, Steinen und Schilf verwandelt. Hier muss sich der Betrachter erst einmal orientieren, um aus dem vielfältigen Gebäudearrangement des Fernen Ostens den Ort des Weihnachtsgeschehens in Bethlehem zu sichten. Einmalig hat man als Besucher ein besonderes Hörerlebnis: unablässig nimmt man einen leise plätschernden Wasserfall wahr.

Unser Weg führt uns weiter großräumig abseits von Wohngebieten über Feldwege zur Marienkapelle „Kapelle Mariä Schutz“ am Wilburgpfad auf dem Gelände der Benediktinerabtei. Durch ein sparsam gestaltetes Krippengeschehen wird der Fokus des Betrachters unmittelbar an den Ort einer provisorisch angebauten Unterkunft mit Anbindung an ein Haus in Bethlehem gelenkt. Der Krippentisch ist liebevoll mit blühenden Pflanzen geschmückt.

Auf diesem Terrain entdecken wir immer wieder die Handschrift von Pater Albert Altenähr, dem Gestalter der hiesigen Krippenarrangements. Es sind vor allem seine Schiefertafelzeichnungen, die uns helfen, versteckte Krippen im Außenbereich der Abtei aufzuspüren und zu finden. Im Klostergarten entdecken wir einen von Efeu umrankten, rindenlosen, sehr knorrigen Baumstamm. Ein toter Baum. An einer Stelle blicken wir in den hohlen Baumstamm hinein. Dort liegt, im Schutz der Baumhöhle, auf vertrocknetem Laub und grünem Efeu die bekannte Schiefertafelzeichnung als markantes Wegezeichen unseres Krippenwegflyers. Und gleich daneben bewacht ein kleiner roter Blechengel das Geschehen – innen und außen. Ochs und Eselein fehlen, ebenso die Hirten und Schafe.

Auf dem Trampelpfad zwischen dem kleinen Friedhof der Mönche und der Marienkapelle hilft uns ein Schieferstein, angebunden an einem Ast, mit einem wandernden Mönch weiter, eine weitere versteckte Krippe zu finden. Unser Blick fällt auf eine besondere Stelle eines auseinandergebrochenen Baumes, nahezu verwoben mit Hecke und Stacheldraht. Dennoch geschützt unter dem Holz eines Baumstammes sehen wir eine kleine Skulptur aus rot gebranntem Ton mit Maria, Josef und Jesus. Durch die Haltung seiner Eltern und den schützenden Baumverschlag darf sich das Neugeborene dem Leben behütet anvertrauen. Anstelle von Ochs und Eselein, den Hirten und den Schafen und auch einem Engel begrüßen einige hübsch bemalte Mäuse als Gäste das neue Leben. Die Freude am Suchen hat uns gepackt. Noch eine ganze Weile halten wir uns im Klostergarten auf.

Unser nächstes Ziel ist die Krippe in der Benediktinerabtei, die uns auf dem Flyer als ein Teil einer adventlichen Installation angekündigt wird. Es ist die bisher ungewöhnlichste Krippendarstellung auf unserem Krippenweg, beinahe schon verstörend und unverständlich – und dennoch auch sehr geheimnisvoll. Dabei ist das Krippenzubehör - geschnitzte helle Holzfiguren - (Tiere, Menschen, Engel) wie wir es aus der Weihnachtsgeschichte kennen, vollständig vorhanden. Was ist anders? Verstörend ist zum einen die Anordnung der Holzschnitzfiguren. Eine geöffnete Holztür gibt den Blick frei für eine Szene, die der uns vertrauten Weihnachtsgeschichte fremd ist. Gemeinsam mit uns als Betrachter schauen auch Maria und Josef in deutlichem Abstand zu dem, was sich hinter der geöffneten Tür verbirgt. Die Anordnung von weißen, hellgelben, goldenen und roten Seidentüchern scheint Aufschluss zu geben über das, was sich nicht unmittelbar erschließt: Das neugeborene Kind, offensichtlich vom Himmel gekommen, liegt – wohl und weich gebettet fast wie in einem Himmelbett – allein. Fast allein. Nur Ochs und Eselein liegen an seiner Seite – und ein dem Krippengeschehen vertrauter Engel steht an seiner anderen Seite. Um es vorweg zu nehmen: Von Neugier getrieben recherchieren wir später und finden eine Predigt von Pater Albert Altenähr zum Thema „Ochs und Esel an der Krippe“, die uns dem offensichtlichen Geheimnis einen Schritt näherbringt. – Als Impuls wird an dieser Stelle in der Benediktinerabtei die Weihnachtsgeschichte in Öcher Platt vorgeschlagen. (Unser Tipp: Sie ist nachzuhören unter: Das Aachen-Blog 7uhr.15.ac So klingt das Weihnachtsevangelium in der Sprache der Heimat.)

Wir wandern weiter in die evangelische Kirche unserer Gemeinde. Hier betrachten wir – wie schon häufiger in den letzten Jahren - die von Elke Rottländer gestaltete Krippe. Besucher, die ein traditionell vertrautes Krippengeschehen der Weihnachtsgeschichte erwarten, werden irritiert oder erstaunt sein. Die dunkelbraunen Tonfiguren ihrer kleinen modernen Krippe stellen keine Illustration der Weihnachtsgeschichte dar. Es gibt zwar das Kind in der Krippe, auch Maria und Josef und einen aus weißem Ton gestalteten Engel. Elke Rottländer geht es um die Körperhaltung der Figuren: „Um das Kind scharen sich Figuren, in deren Haltung sich ausdrückt, wie wir jeweils die Weihnachtsgeschichte aufnehmen; zugeneigt oder ablehnend, unbefangen, gelöst, anbetend, singend und lobend, betroffen, zweifelnd. Das Kind in der Krippe breitet die Arme aus, offen für jeden von uns.“ Auf diese Weise ist es ihr ein Anliegen, die Weihnachtsgeschichte „fassbar“ zu machen. Es ist bereits eine Tradition in unserer Gemeinde, dass Elke Rottländer im Rahmen eines Weihnachtsgottesdienstes zur Krippenbetrachtung einlädt.

Wir setzen unseren Weg fort, durch das Frankenwäldchen hoch ins Klauserwäldchen. Die Kapelle „Maria im Schnee“ zeigt üblicherweise eine mit viel Liebe gestaltete Weihnachtskrippe. Diese Tradition liegt bereits seit Jahrzehnten in den Händen der Familie Jung. Wegen der Corona-Pandemie und der Enge der kleinen Kapelle durfte die Krippe in diesem Jahr nicht aufgebaut werden. Es bleibt uns dennoch die Möglichkeit, Kerzen anzuzünden, mit den besten Wünschen für ein gesundes neues Jahr 2021. Sollen in Zeiten wie diesen Licht und Zuversicht uns tragen!


Text: Marianne Hogen; Fotos: Friedel Hogen

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