Evangelische Kirchengemeinde Kornelimünster-Zweifall

16.11.2020

Von Corona verstört und inspiriert

Hans-Peter Bruckhoff leitet den Kirchenkreis Aachen seit 24 Jahren. Er sieht für die Kirche Chancen, keine Macht.

Superintendent Hans-Peter Bruckhoff

Aachen Selbstbewusst, aber nicht selbstherrlich, mit Demut, aber nicht als Leisetreter – so wünscht sich Hans-Peter Bruckhoff seine Kirche. Anfang November ist der 62-Jährige zum vierten Mal zum Superintendenten des Kirchenkreises Aachen gewählt worden. Und dort sieht er seine Kirche auf gutem Weg. Unser Redakteur Peter Pappert sprach mit Bruckhoff über Amt und Macht, Gemeinde und Corona.

Herr Bruckhoff, Sie sind von der Kreissynode mit 93 Prozent der Stimmen erneut zum Superintendenten gewählt worden. Hat Sie das überrascht?

Bruckhoff: Jein. Es gab keinen Gegenkandidaten. Es war also nicht völlig offen, zumal mich einige ermutigt haben, noch einmal zu kandidieren. Aber das ist in diesem Ausmaß schon ein sehr großer Vertrauensbeweis und zugleich ein richtig gutes Mandat für das, was vor uns liegt. Der Kirchenkreis als mittlere Ebene zwischen den Gemeinden und der Landeskirche ist mehr denn je gefragt, zu gestalten. Die Gemeinden wollen mehr Gemeinsames ausprobieren.

Warum nehmen die Gemeinden den Kirchenkreis heute stärker in Anspruch?

Bruckhoff: Jede Gemeinde aus sich heraus schafft manches – zum Beispiel in der Jugendarbeit – allein nicht mehr. Wir haben in den letzten zehn bis 15 Jahren manche Stellen nicht wiederbesetzt; das gilt in den kommenden zehn Jahren auch für Pfarrstellen. Man muss also mehr gemeinsam mit anderen Gemeinden machen. Dazu dienten auch die Fusionen der vergangenen Jahre.

Hat dieser Prozess finanzielle oder personelle Gründe?

Bruckhoff: Beides. Es liegt an den Finanzen, es liegt an den Zahlen der Gemeindemitglieder; die werden bis 2030 auch noch einmal deutlich sinken. Mit dem theologischen Nachwuchs kommen wir im Rheinland noch so gerade hin. Aber unser Kirchenkreis liegt etwas am Rande. Wir sind hier in der Diaspora.

Die reguläre Amtszeit beträgt acht Jahre; Sie wollen nur noch vier im Amt bleiben. Warum? 66 Jahre sind doch noch kein Alter.

Bruckhoff: Das ist eher die katholische Perspektive. Ich nehme das Pensionsalter ernst und will in den kommenden vier Jahren den Übergang gestalten. Und dabei bin ich sehr zuversichtlich, weil der Kirchenkreis Aachen vom Kreissynodalvorstand geleitet wird. Wir sind ein gutes Team.

Ist der Superintendent ein kirchenpolitisches, ein religiöses oder ein repräsentatives Amt?

Bruckhoff: Das trifft alles zu. Ich bin – auch gesellschaftspolitisch – der Sprecher der Region zum Beispiel in der Flüchtlingsfrage, beim Kirchenasyl, in sozialen Fragen. Ich bin Seelsorger und Dienstvorgesetzter für die Pfarrerinnen und Pfarrer.

Sie sind das Pendant zum katholischen Bischof in Aachen.

Bruckhoff: Nein. Mein Amt ist ein Amt im Team. Wir sind gemeinsam der Bischof. Das ist der Unterschied. Das geistliche Bischofsamt übt der Superintendent aus, wenn er die Theologen ordiniert. Der katholische Bischof weiht die Priester.

Der katholische Bischof macht mehr her.

Bruckhoff: Wie meinen Sie das?

Mehr Weihrauch.

Bruckhoff: Vielleicht schielt ab und zu einer aus unserer Kirche dahin. Der Papst macht ja womöglich auch mehr her. Wir machen aber mehr her, wenn wir als Team dastehen – gemeinsam, Frauen und Männer. Und vieles von dem, was ich als Superintendent sage, ist gedeckt vom Kreissynodalvorstand.

Haben Sie Macht?

Bruckhoff: Ja – die Macht der Rede, der Gespräche, die Macht, Themen zu setzen. Es ist nicht die Macht, allein zu entscheiden. Das wäre auch langweilig. Manche Prozesse, die ich anstoße, dauern lange; auch das habe ich lernen müssen. Und fromm formuliert kann ich sagen: Ich habe es immer als Segen empfunden, das Gefühl zu haben, dass Gott mich an die richtige Stelle gesetzt hat.

Können Sie das erklären? Woran
spüren Sie, dass Gott Sie an die richtige Stelle gesetzt hat?

Bruckhoff: Ich merke es daran, dass ich nach meiner vierten Wahl sehr persönliche Worte erhalten habe, dass andere mir meine eigenen Intentionen widerspiegeln und mich als Anwalt auch unterschiedlicher Interessen schätzen. Ich spüre eine innere Zufriedenheit. Mich in dieser Aufgabe nur aufzureiben, wäre nichts für mich.

Das sind Reaktionen, die Sie von Menschen erreichen. Wo kommt Gott ins Spiel?

Bruckhoff: Zu spüren, dass die eigenen Fähigkeiten erkannt und abgerufen werden, ist nicht selbstverständlich. Ich beginne meinen Tag mit geistlicher Stille – mein Leben lang. Ich lese die Bibel in Abschnitten komplett durch. So gehe ich auch in Gespräche und in die Synode, und das verbinde ich mit Gott. Wie wir dann miteinander reden, hat mit Gottes Geist zu tun. Das gehe sogar per Zoom, hat jetzt jemand bei der Synode gesagt. Das ist nicht so platt, wie es vielleicht für manche klingt.

Kommen wir zurück zur irdischen Macht. Hat ihre Kirche noch Macht?

Bruckhoff: Nein. Die Auffassung, wir hätten qua Amt was zu sagen, hat sich schon länger erledigt. Das hat schon in meiner Jugend in den 70er Jahren angefangen – und zwar als Befreiung. Dass die Kirche gesellschaftlich, egal, was sie sagt, gehört werden muss, die Zeiten sind vorbei. Unsere Gesellschaft orientiert sich nicht in erster Linie an der Kirche. Aber wir haben durchaus Chancen und Gelegenheiten; die Frage ist, wie wach wir dafür sind. Das Evangelium und der gelebte Glaube sind eine Macht – Gottes guter Geist. Der ist aber nicht immer identisch mit Kirche; das ist auch gut so. Davon kann man aber etwas spüren bei der Taufe, in der Sozialarbeit, in der Diakonie oder im Altenheim. Dass unsere Kirche als Institution hinterfragt wird, ist in Ordnung. Dass wir in der öffentlichen Wahrnehmung manchmal übersehen werden, schmerzt mich.

Ist das, was Sie beschreiben, die Relativierung kirchlicher Macht, der Gesellschaft gut bekommen?

Bruckhoff: Ich habe es als junger Mensch tatsächlich als Befreiung empfunden. Kirchlicher Einfluss ist aber auch ersetzt worden durch etwas, das ich kritisch sehe: Kommerz, Spaß- und Ellbogengesellschaft, Entsolidarisierung. Wir müssen als Kirche gemeinsam mit anderen Akteuren – Parteien, Vereinen, Initiativen wie Fridays for Future – dagegen halten.

Sie haben in Ihrem Rechenschaftsbericht vor der Kreissy-
node die Erfahrungen mit Corona als „Achterbahnfahrt der Gefühle“ beschrieben, die „den Boden unter den Füßen wegziehen, gewohnte Rollen und Funktionen wegnehmen, uns stärker zusammenbringen, uns gegeneinander aufbringen“. Hat Corona in der Kirche mehr zerstört oder mehr inspiriert?

Bruckhoff: Ich weiß es nicht. Wir sind tatsächlich aus manch gutem Selbstverständlichen herausgerissen worden. Das ist verstörend. Wir haben im Kirchenkreis ein starkes Netzwerk der Gemeinden im Alltag. Da hat Corona einiges durchlöchert, Gottesdienste und viele andere Begegnungen unmöglich gemacht. Die Kirche lebt von der Gemeinschaft, die wirklich stattfindet. Wir müssen uns treffen. Aber das ist derzeit nur sehr eingeschränkt möglich. Andererseits bin ich begeistert von vielen neuen Ideen.

Ist wegen Corona über die Maßen in die Religionsfreiheit eingegriffen worden?

Bruckhoff: In Nordrhein-Westfalen nicht. Alle staatlichen Stellen – Land und Kommunen – haben das Gespräch mit uns gesucht und haben immer auf unsere Konzepte und unsere Selbstverpflichtung gewartet. Es ist nichts vom Staat – von oben herab – einfach angeordnet worden.

Ist der Vorwurf, beide großen Kirchen seien in der Corona-Zeit zu defensiv, berechtigt?

Bruckhoff: Nein. Ich bin froh, dass wir uns als Kirche nicht aufgeschwungen haben, um unsererseits in einer Situation, die unüberschaubar war und ist, virologische Erkenntnisse zu verkünden. Gleichzeitig können wir selbstbewusst feststellen: Was in unseren Gemeinden durch stabile Netzwerke geleistet wird, ist auch systemrelevant. Aber das müssen wir nun nicht ständig betonen.

Worauf müssen sich die Gläubigen für Weihnachten einstellen?

Bruckhoff: Es gibt viele gute Ideen für Gottesdienste unter Hygienebedingungen. Wir werden allerdings den klassischen Weihnachtsgottesdienst in kuscheliger Atmosphäre und in einer Gemeinschaft, die „Oh, du fröhliche . . .“ singt, leider nicht erleben. Dass wir nicht zusammen singen können, beschwert jeden. Da wird Wehmut aufkommen. Das ist unvermeidlich und darf auch mal sein. Wir können aber auch wieder mehr zu Hause singen.


Zur Person

Der Superintendent und sein Kirchenkreis

Hans-Peter Bruckhoff (62) ist seit 34 Jahren Pfarrer und seit 24 Jahren Superintendent des Kirchenkreises Aachen. Er ist verheiratet, Vater von zwei Töchtern und lebt seit 1985 in Schleiden-Gemünd in der Eifel. Dort sind er und Christoph Ude Pfarrer der Trinitatis-Gemeinde Schleidener Tal.

Der Kirchenkreis Aachen gehört zur Evangelischen Kirche im Rheinland. Ihm gehören in neun Gemeinden zwischen Baesweiler und Blankenheim rund 75.000 evangelische Christen an. (pep)


Die rheinische Landeskirche

Drei Bewerber für die Rekowski-Nachfolge

Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagt vom 11. bis 15. Januar wegen der Corona-Pandemie erstmals in ihrer Geschichte als Videokonferenz. Wichtigster Tagesordnungspunkt ist die Wahl eines neuen Präses. Amtsinhaber Manfred Rekowski (62) geht nach acht Jahren an der Spitze der Landeskirche im März in den Ruhestand. Um seine Nachfolge bewerben sich der aus Bayern stammende Theologieprofessor Reiner Knieling (57), der Leiter der Evangelischen Akademie Frankfurt, Thorsten Latzel (50), und die Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, Almut van Niekerk (53).

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat in ihren 37 Kirchenkreisen derzeit rund 2,45 Millionen Mitglieder. (epd)

(AZ/AN-Bericht vom 16.11.2020)

 

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