Evangelische Kirchengemeinde Kornelimünster-Zweifall

11.06.2015

Ein Ort der Zuflucht für 21 Jugendliche

Das Hromadka-Haus steht ab dieser Woche nicht mehr leer. Nach vier Jahren ist es erstmals wieder bewohnt. Einziehen werden junge Flüchtlinge.

Aufwendig renoviert: Seit Anfang Februar sind die Handwerker des Zentrums für soziale Arbeit im Haus und haben Tapeten entfernt, Türen lackiert und Mobel aufgebaut. (Foto: J. Lange)


Von Laura Beemelmanns

Stolberg. Das Hromadka-Haus in Zweifall passt so ein bisschen zu den Menschen, die es bald bewoh­nen werden. Es hat selbst eine be­wegte Geschichte, seine zukünftigenBewohner erst recht.

Nach vier Jahren Leerstand, ei­nigen Um- und Anbauten und wechselnden Besitzern wurde das Haus aufwendig vom Zentrum für sozi­ale Arbeit (ZfsA) in der Träger­schaft des Evangelischen Frauenvereins in Aachen renoviert. In Zusammenarbeit mit der evangelisehen Kirchengemeinde Zweifail-Kornelimünster als Verpächter und dem ZfsA als Pächter hat das Hromadka-Haus nun also einen neuen Zweck.

Im Domröschenschlaf

Doch zunächst galt es, das Ge­bäude von innen und außen auf Vordermann zu bringen. „Es war im Dornröschen­schlaf", sagt der Einrich­tungsleiter vom ZfsA, Udo Wilschewski. He­cken und Äste mussten geschnitten, Wege wie­der begehbar gemacht, Türen lackiert, Möbel ge­kauft, Tapeten abgeris­sen und neue angebracht werden.

Mit diesen Arbeiten haben die Handwerker und viele Freiwillige, unter anderem von der Evangelischen Jugend Zweifall, im Februar begonnen. In dieser Woche können die ersten Bewohner einziehen. Sie sind Flüchtlinge, ge­nauer gesagt, jugendliche Früchtlinge im Alter zwischen 14 und 17 Jahren. Oft waren sie über viele Monate oder sogar Jahre unterwegs, um aus ihrer Heimat zu fliehen - teilweise angewiesen auf Schlepperbanden und vor allem ei­nes: ihren Überlebenswillen.

Ein eigenes Zimmer

Die meisten jugendlichen Flücht­linge, die in Deutschland ankommen, sind junge Männer. Mädchen schaffen es in den seltensten Fällen", sagt Wilschewski. „Entwe­der werden sie von ihren Familien gar nicht erst losgeschickt, schaf­fen es körperlich nicht oder wer­den zum Teil auch zur Prostitution gezwungen."Täglich kommen im Durchschnitt etwa sechs Jugendliche im ZfsA in Aachen-Burtscheid an. Und die müssen natürlich irgendwo untergebracht werden.

In verschiedenen Gruppen sollen die Jugendlichen mit und mit im Hromatka-Haus einziehen. In dieser Woche die ersten, in den nächsten Tagen und Wochen wei­tere, bis die Höchstzahl von 21 Be­wohnern erreicht ist. Jeder von ihnen erhält ein eigenes Zimmer, das sogar mit sanitären Anlagen ausge­stattet ist, da das Haus früher ein­mal eine Ausbildungsstätte war.

Unterschieden wird unter ande­rem zwischen einer sogenannten Clearinggruppe - eine Gruppe mit sieben Jugendlichen -, die vorerst für drei Monate dort bleiben und deren gesundheitlicher und ausländerrechtlicher Status erst ge­klärt werden müsse und weiteren Regelgruppen, sagt Wilschewski. Also Jugendlichen, die bis zur Volljährigkeit vermutlich dort bleiben können.

Besondere Atmosphäre

Zweifall bietet den Jugendlichen eine ganz besondere Atmosphäre. „Es ist wie ein Nest dort", sagt Wilschewski. Das Haus liegt in einer ruhigen Umgebung. So könne „Dorfgemeinschaft erlebbar" ge­macht werden. Die direkten Nachbarn wurden zudem schon in das Hromadka-Haus eingeladen. Ih­nen wurde erklärt, was da gerade mit dem Haus passiert und vor al­lem, wer einziehen wird. „Es gin­gen Gerüchte um, dass dort 200 Flüchtlinge einziehen sollen, aber es werden nur 21 sein. Diese Ge­rüchte und anderes wollten wir aus dem Wegräumen", sagt Wilschew­ski. Durch solche Treffen und Er­lärungen sollen Ängste und Vor­urteile abgebaut werden. Die engsten Nachbarn haben aber durch­weg positiv reagiert, sagt er.

Dass dieser erste Kontakt beson­ders hilfreich ist, weiß Wilschew­ski aus Erfahrung. Für die Flücht­linge sei es wichtig, in dem Ort, in dem sie leben, Anschluss zu finden und sich dort wohl zu fühlen. In den meisten Fällen klappt das auch ganz gut. Denn viele Menschen sind offen für ihre neuen Nach­barn und wollen ihnen helfen. Das funktioniert oft so gut, dass das ZfsA sich vor Ehrenamtlern kaum retten kann. „Wir würden uns sehr freuen, wenn auch in Zweifall Ver­eine oder auch Privatleute Lust und Zeit haben, den Flüchtlingen Nachhilfe oder Sportgruppen an­zubieten", sagt Wilschewski.

Aber auch Änderungen am Haus selbst stehen noch an. Ein Gemü­sebeet wäre beispielsweise ein Projekt, das vor allem auch mit Hilfe von ehrenamtlichen Helfern mit­getragen werden könnte.

Im September werden alle 21 Ju­gendliche dort eingezogen sein. „Dann wird es eine offizielle Eröff­nung geben", sagt Wilschewski. Und wenn sich im Herbst auch Ehrenamtler melden würden, wäre das für die Flüchtlinge am besten.

„Bis dahin sind sie alle eingezo­gen und haben sich an ihre neue Umgebung in Zweifall und ihr neues Leben gewöhnt", sagt Wil­schewski. Denn oft sei es genau das, was sie brauchen: Ruhe.

Ruhe nach all den Strapazen der Flucht, des Verlustes der Familie, der Angst.

Außerdem, so sagt Wilschewski, seien die jungen Flüchtlinge „Schätze". Denn „sie bringen so viel mit und von ihnen kann man sehr viel lernen."

 

Bewegte Geschichte: Altbau, Anbau, Neubau

Das Hromadka-Haus ist nach dem tschechoslowakisch evangelisch-lu­therischen Theologen Josef Lukl Hromädka benannt.

Errichtet wurde das an der Apfelhofstraße gelegene Gebäude in Zweifall bereits im Jahr 1883.

Da das Haus aber nur über wenig Raumkapazität verfügte, wurde im Jahr 1972 ein Neubau errichtet. Der Ziegelsteinbau, der im Dachbereich einen Saal und im Erdgeschoss Über­nachtungsmöglichkeiten bot, wurde kurz nach der Fertigstellung mit dem Altbau verbunden.

Eine zweite Erweiterung erfolgte im Jahr 1980. Dabei entstanden ein Heimleiterwohnhaus und ebenfalls ein Anbau. Auch diese sind inzwi­schen mit dem Altbau verbunden.

Ab dem Jahr 2003 wurde das Hro­madka-Haus als Ausbildungsstätte für Zivildienstleistende genutzt. Ab 2006 pachtete Rob Heijne das Ge­bäude, in dem fortan niederländi­sche Krebspatienten Erholung finden sollten. Im Jahr 2011 gab er es wieder an den Eigentümer zurück. Die darauffolgenden vier Jahre stand das Haus leer.

Die neuen Pächter sind Cornelia und Udo Wilschewski vom Zentrum für soziale Arbeit (ZsfA) in Aachen-Burtscheid in der Trägerschaft des Evangelischen Frauenvereins Aachen. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich bei Team­leiter Gilbert Vermeulen unter Tel.0151/62508530 melden.

(Stolberger Zeitung vom 11.06.2015)

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