In zehn Jahren 100 Familien geholfen

Dankbarer Festgottesdienst in Roetgen zur Feier von 10 Jahren Trilateraler Partnerschaft zwischen Aachen, Sumatra und Tansania - Begegnungen sind der Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis

Eine „Triangel-Partnerschaft“ schlägt im Evangelischen Kirchenkreis Aachen ganz besonders harmonische Töne an. Bereits seit zehn Jahren wird eine intensive Verbindung über drei Erdteile und Nationen hinweg gepflegt. Hier sind neben den rheinischen Gläubigen die Partner in Kaskazini A, der Nordwest-Diözese der Lutherischen Kirche von Tansania, und in Humbang Habinsaran, der Protestantischen Toba-Batak-Kirche im Westen der indonesischen Insel Sumatra, eine enge Verbindung eingegangen. Diese trilaterale Partnerschaft stand am Sonntagmorgen beim Festgottesdienstes in der Roetgener Kirche der Kirchengemeinde Monschauer Land im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

 

Gott wirkt weltweit

Natürlich war es auch ein Stück gegenseitiger Wertschätzung, dass in allen drei Sprachen – neben Deutsch noch Indonesisch und Kisuaheli aus Afrika – Teile des Gottesdienstes gestaltet wurden, den Pfarrer Volker Böhm eröffnete und leitete. Das galt fürs Evangelium und gemeinsam gesungene Lieder, die ein Chor anstimmte und begleitete. „Alle Sorgen werfe auf ihn, denn er sorgt für euch“, zitierte Böhm den aktuellen Wochenspruch: „Er ist es, der uns hält.“ Auf einem kleinen Tisch neben dem Altar für das Gotteslob stand, auf einer Karte Afrikas, eine geschnitzte Figur aus Ebenholz aus Tansania. „Menschen, die ineinander verschlungen sind“, wie Böhm erklärte: „Utamar, Familie: Wir können nur miteinander“. Zehn Jahre Partnerschaft bedeuteten, so Böhm weiter, „sich geborgen wissen bei dem einen Gott, der weltweit alles zusammenhält“.

Inge Grieshammer vom Partnerschaftsausschuss des Kirchenkreises erinnerte an das Wirken rheinischer Missionare vor 160 Jahren auf Sumatra und später in Tansania, die den christlichen Glauben in diese Regionen getragen hätten. Heute fördert und begleitet die Vereinigte Evangelische Mission (VEM) als Gemeinschaft von Kirchen auf drei Kontinenten diese internationalen Partnerschaften. Sumatra und Tansania verbinden Ähnlichkeiten, von der Nähe zum Äquator über die Höhe um 1000 Meter bis zu starken landwirtschaftlichen Strukturen mit ähnlichen Lebensbedingungen - aber sie unterscheiden sich auch wieder durch völlig andere Kulturen, Probleme und Problemlösungen. Menschliche Begegnungen seien die beste Möglichkeit, das Leben vor Ort kennenzulernen, den Glauben zu erleben und voneinander zu lernen, sagte Grieshammer. „Erweitern wir unseren Horizont“, lautet die Losung.

Dankbarkeit für das Wohl anderer Menschen

Superintendentin Verena Jantzen eröffnete ihre Predigt mit dem Satz: „Der Friede sei mit euch. Ich bin dankbar, dass wir miteinander versammelt sind, Gemeinschaft genießen.“ Im Gottvertrauen könne man Sorgen zurückstellen, die man „nicht regieren lassen“ dürfe, auch wenn der Blick auf die Welt nicht zur Entspannung beitrage. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, nach Dankbarkeit, Versöhnung und Nächstenliebe“.

Pfarrerin Jantzen bat ihren Kollegen Volker Böhm und Almute Heider, die Vorsitzende des Ausschusses für Partnerschaft und Ökumene im Kirchenkreis Aachen, zu erzählen, was sie auf der Reise dankbar gemacht habe: Beide hatten Mitte August für eine Woche Tansania besucht. Heider war insbesondere zufrieden, dass das gesamte Fahrtenprogramm gut geklappt habe – „was in Deutschland nicht unbedingt zu erwarten ist." Sie habe viele gute Beispiele gesehen, wie sich mit finanzieller Hilfe Kleinbauern Tiere leisten könnten und „extrem zufrieden“ seien. Und Böhm fügte an, er spüre nach der Begegnung mit den Menschen in Afrika eine große Dankbarkeit, „dass es ihnen super gut geht. Die Reise gibt Anlass, für das dankbar zu sein, was ich habe.“ Verena Jantzen hielt fest, dass „unsere Welt manchmal zutiefst ungerecht ist. Lasst uns aufbrechen, daran etwas zu ändern.“ Man solle „friedvoll, nicht herablassend, miteinander umgehen und trachten nach dem Gott der Liebe“.

Mitgestaltet hat den Gottesdienst auch der tansanische Pfarrer Yoram Karusya. Er lebt in Krefeld und betreut in Deutschland die Pfarren der VEM. Zudem wirkten die Presbyterin Ester Sumeke, gebürtig aus Indonesien und in Simmerath-Strauch lebend, sowie Lutz Rathschlag vom Partnerschaftsausschuss mit. Am Ende wurde der Superintendentin eine „Uloss“, eine tpische indonesische Stola der Freundschaft, überreicht.

Fotoausstellung des Afrikabesuchs

Im Gemeindezentrum wurde anschließend den Festteilnehmern Essen serviert, eine Vorspeise aus Tansania, die Hauptspeise aus Indonesien und die Nachspeise von hierzulande – „Monschauer Dütchen“. Im Anschluss erläuterten Volker Böhm und Almute Heider anhand zahlreicher Fotos ihre Reise nach Tansania. Dabei wurde auch von neuen Wünschen aus Indonesien berichtet, eine Produktion von Avocados aufzubauen, zudem eine Schweinezucht. 12.000 Euro sollen dafür bereitgestellt werden. Darüber wollen nun die drei Kirchenkreise gemeinschaftlich und einvernehmlich entscheiden.

Die Partnerschaft des Kirchenkreises Aachen mit Indonesien besteht bereits seit 1998. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens 2008 wurde von der VEM der Vorschlag zur Erweiterung nach Afrika gemacht, was dann nach intensiver Vorbereitung um Juli 2015 in die Unterzeichnung der entsprechenden trilateralen Partnerschaftsurkunde mündete, deren zehnjähriges Jubiläum nun im Mittelpunkt der Feier stand. Auch aus einem besonderen Grund: Immerhin war es die erster Dreier-Verbindung, die geschlossen wurde. Alle drei verbinde der christliche Glaube – und das eben auch in Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt. Auch die „Verantwortung für die eine Welt“ sei es, die man spüre, die zu dem engen Verbund geführt habe. 

Unterstützung für 100 tansanische Familien

Die Partnerschaft wird gepflegt mit Gottesdiensten, dem Beten füreinander, Informationsaustausch – und, besonders wichtig, mit gegenseitigen Besuchen. Wichtiger Anker der partnerschaftlichen Hilfe in Tansania ist zudem die Vermittlung von Mikrokrediten an die einheimische Bevölkerung. Dieses Geld soll helfen, eigene, tragfähige landwirtschaftliche Strukturen aufzubauen, mit deren Erlösen dann zum Beispiel notwendige Dinge für den Schulunterricht der Kinder gekauft werden können.

Seit 2018 wurden insgesamt 15.000 Euro für solche Förderprojekte von den drei Partnern gemeinsam bereitgestellt. Mittlerweile konnten etwa 100 Kreditnehmer unterstützt werden. Die Mittel werden verzinst zurückgezahlt und dann für neue Projekte ausgegeben. Nach der örtlichen Währung werden maximal eine Million Schilling (umgerechnet etwa 400 Euro) zum Kauf von Schweinen und Kühen zur Verfügung gestellt. Die meisten Kredite bewegen sich zwischen 100 und 200 Euro, meist zur Anschaffung von Hühnern und Ziegen. Zusammengekommen ist das Geld allein durch Spenden der Gläubigen. Kirchensteuern seien in diese Projekte bislang nicht geflossen, versichert Pfarrer Böhm und fügt an, dass aus diesen Spenden auch die Reisekosten der Delegationen bezahlt worden seien. Angesichts der nicht so leichten finanziellen Situation des Projekts dürfte wohl die nächste trilaterale Reise, diesmal nach Indonesien, erst im Jahre 2028 gestartet werden können, hieß es am Sonntag; eigentlich wird ein Rhythmus von zwei Jahren angestrebt.

Text: Berthold Strauch

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